Die 76-jährige Luitgard Dederich erinnert sich: an ihre von Missbrauch geprägte erste Ehe, aus der eine Tochter entstand, an die folgende Scheidung, bei der sie als Frau keinerlei Rechte hatte, an ihre zweite Ehe mit einem alkohol- und drogenabhängigen Mann, mit dem sie zwei weitere Kinder bekam, an Unterdrückung und Übergriffigkeit durch ihre Mutter, an die vielen Herausforderungen als berufstätige Mutter und an ihre dritte Ehe mit dem deutlich älteren Hartmut, der ihr, ihren drei Kindern und der gemeinsamen Tochter endlich Sicherheit bieten konnte, wenn auch auf sehr spezielle Weise. Im Zentrum dieser Biografie stehen aber die Beziehungen zu ihren vier leiblichen Töchtern, die Licht und Schatten vereinen und von guter Verbindung bis zu Ablehnung reichen. Luitgard Dederichs Biografie ist eine Reise in ihre persönliche Vergangenheit und ihre sehr komplexe und vielschichtige Familiengeschichte. Gleichzeitig gibt sie aber auch einen Einblick in die vielen Herausforderungen, denen Frauen in den 60er-Jahren ausgesetzt waren, und welcher Stärke es bedurfte, diesen zu begegnen – eine sehr lesenswerte Biografie, die neben den individuellen Erfahrungen auch gesellschaftliche Themen der damaligen Zeit aufgreift.
Die Kindheit der 1949 in Westdeutschland geborenen Luitgard Dederich war geprägt von der Wiederaufbaustimmung in den Jahren des Wirtschaftswunders. Sie wuchs bis zu ihrem 12. Lebensjahr als Einzelkind überbehütet in einer streng katholischen Familie auf. Mit der Geburt ihres Bruders und dem wenige Monate später folgenden Tod ihres Vaters veränderte sich das Leben der Autorin grundsätzlich. Mit 18 Jahren heiratete Luitgard Dederich zum ersten Mal, mit 22 Jahren zum zweiten Mal und mit 33 Jahren zum dritten Mal. Aus diesen drei Ehen hat sie vier erwachsene Töchter. Mit 58 Jahren fand die Autorin ihren heutigen Lebensgefährten, der ebenso zwei erwachsene Töchter mit in die Beziehung brachte. Gemeinsam haben die beiden noch eine erwachsene Pflegetochter und Luitgard Dederichs Adoptivsohn. Seit 10 Jahren arbeitet und lebt die Autorin als freie Künstlerin. Mit dem Schreiben hat sie nie aufgehört, nachdem sie einmal damit begann.